Kerngartenweg, Oberwil
2024 -
Marti Gesamtleistungen AG
Oberwil, Basel-Landschaft
Gemischtes Stadtquartier, Wohnen
GSF: 9'270 qm
BGF: 11'900 qm
Eingeladener Wettbewerb,
1. Preis, Empfehlung zur
Weiterbearbeitung
Hosoya Schaefer Architects AG
noa landschaftsarchitektur ag
ZPF Consulting AG
EBP Schweiz AG
Waldhauser + Hermann AG
Filippo Bolognese
Zwischen Oberwil und Bottmingen liegt das Areal am Hang zwischen Binningerstrasse und Kerngartenweg. Der historische Flurname „Stallen“, der sich auch in den angrenzenden Strassennamen wiederfindet, bedeutet „Abhang“ und beschreibt treffend die topografische Eigenart des Geländes. Seit jeher als landwirtschaftliche Nutzfläche und beliebter Schlittelhang genutzt, ist dieser Ort tief im kollektiven Gedächtnis der Gemeinde Oberwil verankert. Die unmittelbare Umgebung des Areals ist geprägt von einer heterogenen Siedlungsstruktur, in der kleinteilige Ein- und Mehrfamilienhäuser neben Schrebergärten und mittelgrossen Wohnüberbauungen stehen, umgeben von Privatgärten und Abstandsgrün. Die Bebauungen zeigen unterschiedlich gelungene Ansätze im Umgang mit der markanten Hanglage. Beim genauen Hinsehen offenbaren sich zufällig entstandene räumliche Qualitäten, Nischen und atmosphärische Eigenheiten, die dem Ort seinen subtilen Charakter verleihen. Diese Vielfalt ist zugleich Ausdruck der fragmentierten Struktur des Gebiets, in dem unterschiedliche Massstäbe und Bautypologien spezifische Orte schaffen, aber auch diffuse Übergänge zwischen den Siedlungsbereichen entstehen lassen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Wie gelingt es, einen zeitgemässen Siedlungsbaustein zu schaffen, der sich harmonisch in dieses heterogene Ortsbild einfügt und gleichzeitig zukunftsweisende Antworten auf die Herausforderungen von Nachhaltigkeit, sozialer Durchmischung und Lebensqualität gibt?
Städtebauliche Setzung
Die städtebauliche Reaktion auf die heterogene Umgebung aus Privatgärten und Abstandsgrün erfolgt durch zwei längliche, vielwinklige Baukörper, die sich entlang der Hangkante staffeln und der Topografie folgen. Zwischen den Baukörpern entsteht ein grosszügiger Grünraum mit differenzierten Öffentlichkeitsgraden. Die Staffelung und Winkligkeit der Volumina erzeugen vielfältige Nischen und räumliche Situationen, während die Baukörper durch ihre Gliederung nie als Ganzes wahrgenommen werden. So fügt sich das Projekt in die Massstäblichkeit des Ortes ein und bildet gleichzeitig die geforderte Dichte effizient ab.
Freiraum
Betritt man das Areal vom Kerngartenweg aus, empfängt einen die offene Piazzetta, die dem dort angeordneten Gewerbe die Möglichkeit gibt, nach aussen zu wirken. Chaussierte und begrünte Intarsien mit grossen, hitzeresistenten Bäumen regulieren das Klima auf dem Platz und bilden einen Filter zu den angrenzenden Wohnungen.
Ob als Schlittelhang im Winter oder als Blickfang während der Bluescht der Obstbäume im Frühling – die Wiese bietet vielfältige Highlights. Durch diesen zentralen Bereich ist neben der Erschliessung über die Binningerstrasse und den Kerngartenweg auch eine problemlose Querung des Areals von Ost nach West und umgekehrt möglich.
Verlässt man die Wiese und geht weiter bergauf, taucht man in einen ganz eigenen Bereich ein. Am Kerngartenweg entsteht unter all diesen Gesichtspunkten eine vielfältige, nutzungs- und naturgerechte Freiraumgestaltung, die fit für die Zukunft ist!
Architektur und Gestaltung
Die beiden Baukörper weisen eine starke gestalterische Verwandtschaft auf, ohne identisch zu sein. Ihre architektonische Ausdruckskraft fördert eine gemeinschaftliche Atmosphäre und macht sie als zusammengehörige städtische Struktur lesbar, während sie gleichzeitig die Heterogenität des Ortes aufnehmen.
Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Ziele des Projekts. Die Bauweise folgt konsequent dem Prinzip der Kreislauffähigkeit und kombiniert eine ressourcenschonende Holz-Hybridkonstruktion mit langlebigen, nachwachsenden Rohstoffen.
Nachhaltigkeit wird hier nicht als rein technische Anforderung verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer Architektur, die sozial, ökologisch und ästhetisch überzeugt.
Gebäudestruktur
Die beiden vielwinkligen Baukörper, die den Hügel fassen und seiner Topografie folgen, werden von talseitigen Eingängen erschlossen und verfügen jeweils über zwei Treppenkerne, die über ein Split-Level-System bis zu fünf Wohnungen pro Geschoss bedienen. Diese Organisation ermöglicht eine effiziente Erschliessung und schafft ein vielfältiges Wohnungsangebot.
–